- - - - - - -

Machen soziale Netzwerke junge Erwachsene einsamer?

Führen uns soziale Netzwerke in die Isolation?

Heute gibt es für alles und jeden einen Account. Über Facebook, Twitter, LinkedIn und anderen sozialen Medien bleiben wir mit Familie, Freunden und Schulkameraden oft über viele Kilometer in Verbindung, lernen neue Menschen kennen und teilen unsere Interessen. Was machen Facebook und Co. tatsächlich mit uns? Führen sie uns zusammen oder treiben sie uns langsam in die Isolation?

Unbestritten ist: Über die sozialen Netzwerke fühlen sich Menschen selbst über größte Distanzen miteinander verbunden. Dementsprechend überraschend war für mich ein Artikel von Dr. Francis Collins, Direktor des NIH, den er zum Zusammenhang von sozialen Netzwerken und gesellschaftlicher Isolation bei jungen Erwachsenen verfaßte. Denn die Forschungsergebnisse, so Dr. Collins, lassen vermuten, dass eine intensive Nutzung sozialer Medien zu gefühlter Ausgeschlossenheit und gesellschaftlicher Isolation führen kann.

Eine Umfrage mit 1700 jungen Erwachsenen zu ihrer Nutzung sozialer Medien ergab, dass sich übermäßig häufige Nutzer 2-3mal öfter sozial isoliert fühlten als jene mit wenig oder gar keinem Kontakt zu sozialen Netzwerken. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Brian Primack und Kollegen von der University of Pittsburgh. 1787 junge Erwachsene (weiblich und männlich) wurden zur Nutzung von 11 populären sozialen Medien befragt. Vier Fragen bezogen sich dabei auf eine wahrgenommene soziale Isolation oder fehlende soziale Zugehörigkeit. Die Top-Nutzer der sozialen Medien, so die Wissenschaftler, besuchten die sozialen Medien mindestens 58-mal pro Woche und verbrachten mehr als zwei Stunden pro Tag auf den Apps. Diejenigen, die soziale Netzwerke am wenigsten nutzten, gaben 8 Besuche oder weniger pro Woche an und verbrachten dort etwa 30 Minuten oder weniger Zeit.

Im Ergebnis fühlten sich junge Erwachsene doppelt so oft isoliert, wenn sie viel Zeit in sozialen Netzwerken verbrachten. Jene, die sich mehrmals am Tag angemeldet hatten, hatten sogar dreimal so häufig den Eindruck, gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein. Das Risiko der sozialen Isolation, so die Forschungsergebnisse, steigt also mit der Zeit und der Häufigkeit, die in den sozialen Netzwerken verbracht wird.

Hier findet sich allerdings das philosophische Henne-Ei-Problem wieder. Es kann nicht eindeutig geklärt werden, ob die Nutzung der sozialen Medien zur gefühlten Isolation führt oder ob die Menschen deshalb soziale Medien nutzen, weil sie sich einsam fühlen. Möglich ist ebenfalls, dass Posts von Freunden, die durch die Vielnutzer sozialer Netzwerke gelesen werden, ein Gefühl der Eifersucht und Ausgrenzung fördern. Natürlich ist immer auch eine Kombination von allem möglich.

Was die Forscher damit nicht sagen wollen, ist, dass junge Erwachsene auf soziale Netzwerke verzichten sollen. Denn es sind nützliche und sinnvolle Medien, die bereits fest in unser modernes Leben integriert sind. Aber wie so oft im Leben ist eine vernünftige Balance entscheidend, damit Facebook und Co. unser Leben bereichern und wir nicht von ihnen beherrscht werden.

Wenn man – wie ich beispielsweise auch – häufig in sozialen Netzwerken unterwegs ist, merkt man, wie wichtig das Abschalten zwischendurch ist. Mir tut ein Spaziergang mit meinem Hund (bei dem mich oft auch mein Enkel mit seinem geliebten Longboard begleitet), ein Treffen mit meinen Freunden im Straßencafé oder eine Joggingrunde richtig gut. Am besten funktioniert es, wenn man das Smartphone zu Hause läßt und einfach mal nicht erreichbar ist.

Liebe Grüße

Sissy

Der Originalartikel kann hier eingesehen werden: Is Social Media Making Us Lonelier?

Kommentar verfassen

- -
%d Bloggern gefällt das: