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Bäume als Nahrung und Medizin?

Bäume als Nahrung und Medizin – das klingt vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, oder?

Wusstest du, dass du viele einheimische Bäume sowohl als Nährstoffquelle als auch zu Heilzwecken nutzen kannst? Denn jeder Baum – und auch jeder einzelne Teil – hat besondere Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten.

Die Rinde einiger Bäume (besser gesagt der Teil zwischen Rinde und Holz – das so genannte Cambium) kannst du beispielsweise roh essen. Es soll zwischen 80 und 100kcal pro 100g enthalten und im Notfall als Nahrung dienen können. Allerdings gibt es auch Bäume, deren Rinde giftig ist. Deshalb solltest du die Baumrinde von Eibe und Kirsche nicht als Nahrung oder Medizin nutzen (2).

Die Knospen und Blüten von Bäumen sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen, jedoch mitunter etwas bitter im Geschmack. Allerdings kannst du die wertvollen Inhaltsstoffe nutzen, indem du sie trocknest, mahlst und mit Joghurt oder mit Honig vermischst.

Die jungen Blätter der meisten heimischen Laubbäume kannst du sowohl roh als auch gekocht (wie eine Art Spinat) essen.
Wenn es allerdings nicht direkt ums Überleben geht, ist es besser, aus den Blättern Tee oder Sirup herzustellen, da nur ein mäßiger Verzehr empfohlen wird. Als Ergänzung in einem Salat eignen sie sich jedoch sehr gut.

Eine Selbstdiagnose kann unter Umständen falsch sein. Bevor du dich bei Krankheit selbst behandelst, solltest du einen Arzt oder Heilpraktiker zu Rate ziehen.

Laubbäume und Nadelbäume mit Sonnenstrahlen

Einheimische Bäume als Nährstoff- und Heilquelle

Nadelbäume

Die jungen Triebspitzen (Wipfel) der folgenden drei Nadelbäume unterscheiden sich ein wenig im Geschmack, jedoch nicht wesentlich in ihren gesunden und heilenden Eigenschaften. Neben ätherischen Ölen, Harzen und Tanninen enthalten sie auch die Vitamine A, B und K und sind zudem besonders reich an Vitamin C.

Die Wipfel solltest du nur von unbehandelten Bäumen sammeln. Denke auch daran, dass du nicht zu viele Wipfel von einem Baum abpflückst, damit du ihm einerseits nicht im Wachstum schadest und andererseits den Tieren nicht die wichtige Nahrung wegnimmst.

Falls du schwanger bist, solltest du (wegen der nachgesagten abtreibenden Wirkung) auf die Wipfel verzichten.

Tannen

Die Tannen kannst du an dunklen, stumpfen Nadeln erkennen, die an der Unterseite helle Streifen haben.

Die jungen, hellgrünen Triebspitzen kannst du von Ende April bis Anfang Juni pflücken. Sie schmecken – abhängig vom Standort – mehr oder weniger zitronenähnlich.

Die Wipfel kannst du beispielsweise für Tee nutzen, der sich besonders gut bei Erkältung, Bronchitis und Husten eignet:
Zwei Tannenwipfel werden in einem Gefäß mit etwa 200ml kochendem Wasser übergossen. Nach 10 Minuten ist der Tee fertig und kann abgeseiht werden.

Auch ein selbst gemachter Tannenspitzensirup (oder auch Tannenwipfelsirup) oder Tannenspitzenhonig kann die Symptome von Erkältung oder Grippe lindern.

Kiefern

Die Nadeln der Kiefer sind graugrün, lang und wachsen immer doppelt am Ast. Sie bilden dadurch ein kleines „Nadelbündel“.

Junge Kiefernnadeln schmecken unterschiedlich: teilweise eher frisch, etwas bitter, harzig oder zitronenartig und
eignen sich auch sehr gut als Tee.
So bereitest du ihn zu: Schneide frische oder getrocknete Nadeln klein. Gib einen gehäuften Teelöffel davon in ein Gefäß und übergieße es mit 200ml etwa 80°C heißem Wasser. Nach etwa 5-8 Minuten kannst du den Tee durch ein Sieb geben und noch warm trinken.

Die essbare, nährstoffreiche Rinde (das so genannte Cambium) der Kiefern gilt auch als „Survival food“.

Sogar die Zapfen der Kiefern sind essbar. Du findest dazu einige Rezepte online.

Fichte und Eibe

Fichten

Fichten erkennst du gut am rötlichen Stamm und an den kurzen, spitzen Nadeln, die auch stechen können.
Es ist kein Problem, wenn du Tannen und Fichten nicht unterscheiden kannst, da sie fast identische Wirkstoffe haben. Möchtest du sie auseinanderhalten können, hilft dir vielleicht der Spruch „Fichte sticht, Tanne nicht“.
Ein wenig aufpassen solltest du wegen der Verwechslungsgefahr mit Eiben, denn sie sehen sich ziemlich ähnlich. -Die Allerdings hat die Eibe – wie oben auf dem BIld ersichtlich – flache Nadeln.

Die zarten, hellgrünen Triebspitzen der Fichten haben ein zitronenähnliches Aroma und eignen sich wunderbar für Tee, Fichtensirup oder Fichtenhonig. Die Zubereitung erfolgt in gleicher Weise wie oben bei den Tannen beschrieben.

Fichtenöl ist sehr nützlich bei Erkältung und Bronchitis. Es wird mittels Wasserdampfdestillation aus den Nadeln hergestellt. Bei Youtube findest du Videos, wie du das Öl selber herstellen kannst. Wenn du den Aufwand nicht betreiben willst, kannst du es alternativ auch fertig kaufen.

Ahornblätter

Laubbäume

Ahorn

Junge Ahornblätter sind essbar und sogar besonders gesund. Sie können sowohl roh als auch gekocht verzehrt werden. Im Geschmack erinnern sie ein wenig an Ahornsirup, was jedoch von Baum zu Baum unterschiedlich ausgeprägt ist.

Während die Vitamine, Flavonoide, Saponine und Gerbstoffe für einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel sorgen, wirkt sich der Inhaltsstoff Mangan besonders unterstützend auf die Schilddrüse aus.

Die Blätter sollen sich – auf die Stichstelle aufgelegt – auch bei Insektenstichen zur Linderung eignen.

Als Tee aufgebrüht wirken Ahornblätter entzündungshemmend und fiebersenkend.

Eiche (Stieleiche)

Viele Mythen ranken sich um die Eiche – einem Baum, der mehr als 1000 Jahre alt und bis zu 50m hoch werden kann. Vermutlich nutzten ihn die Menschen deshalb als Symbol für Beständigkeit, Kraft und Stärke. Sie sahen in ihm auf Grund seiner enormen Größe den Baum, der das „unten und oben“ der Welt miteinander verbindet.

Die Eichenblätter mit ihrer charakteristischen Form können ab dem späten Sommer (und so lange sie ihre grüne Farbe behalten) gesammelt werden. Sie wirken als Tee antibakteriell und entzündungshemmend und sollen besonders bei Durchfall helfen.

Eicheln kannst du im September/ Oktober sammeln. Sie sind ebenfalls essbar und enthalten neben Vitamin B, Kalium, Zink auch Mangan (1). In diesem Beitrag findest du mehr Informationen zu Eicheln.

Die Eichelschalen, die bei der Verarbeitung übrig bleiben, sind kein Abfall. Sie können sehr nützlich für einen Tee gegen Fußpilz, Akne, Insektenstiche , Lippenherpes, Halsschmerzen oder Furunkel sein (1).

Die Rinde für einen Eichenrindentee oder eine Tinktur solltest du im Frühjahr sammeln.
So bereitest du einen Kaltaufguss zu: 2 TL Eichenrinde werden mit 200ml kaltem Wasser angesetzt. Die Mischung lässt du aufkochen und 10min. ziehen. Danach kannst du den Tee abseihen.
Zur inneren Behandlung bei leichtem Durchfall oder Darmproblemen kannst du ihn warm in kleinen Schlucken trinken.
Der Tee eignet sich auch zum Gurgeln bei Halsentzündung oder als Umschlag bei Gelenkproblemen.

Birke

Die Birke ist durch ihre weiße Rinde sehr leicht von anderen Bäumen unterscheidbar.

Birkenblätter enthalten viel Vitamin C sowie Gerbstoffe und Flavonoide. Die jungen Blätter sind nicht nur ideal gegen Frühjahrsmüdigkeit, sondern wirken auch unterstützend zur Entgiftung. Überliefert ist auch die Wirksamkeit bei Blasen- und Nierenerkrankungen.

Problemen mit den Bronchien, wie sie bei Erkältung oder bei zu trockener Zimmerluft entstehen, können mit Birkenblättern gelindert werden.

Dazu können sie sowohl frisch als auch getrocknet für Tee verwenden werden (1 Teelöffel frische oder getrocknete Blätter auf 150ml Wasser).

Für die Erkältungszeit kannst du bereíts im Sommer eine Tinktur aus Birkenblättern für den Winter herstellen.

Die länglichen gelben Blüten – die so genannten Birkenkätzchen – enthalten neben Vitamin A auch Protein und Spurenelemente. Roh verzehrt können sie etwas bitter sein. Wenn du von den Nährstoffen profitieren willst, kannst du sie trocknen, fein mahlen und Suppen, Quark, Joghurt, Brotteig oder Bratklopsen zugeben.

Birkenrinde wurde schon im Mittelalter zu Heilzwecken verwendet. Dank ihres Inhaltsstoffs Betulin können Schmerzem gelindert werden und Wunden schneller heilen.

Ein Aufguss aus Birkenrinde hilft auch gegen müde Beine und Gliederschmerzen. Du kannst dazu 200g BIrkenrinde mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und anschließend durch ein Sieb abseihen. Deen Tee kannst du entweder in Badewasser geben oder in eine Schüssel für ein Fußbad. Mehr als 38 Grad sollte die Wassertemperatur nicht betragen. DEshalb solltest du bei einem Fussbad noch etwas kaltes Wasser zuschütten, bis die angegebene Temperatur erreicht ist.

Birkensaft als ein echtes Naturprodukt hat es wahrlich in sich. Wenn du mehr zur Gewinnung und Nutzung dieses Natursaftes erfahren willst, dann schau mal in diesen Beitrag.

Haselnuss Baum

Haselnuss

Die Haselnuss ist eine sehr altes Naturheilmittel. Obwohl sie offiziell nicht zu den Heilpflanzen zählt, haben die enthaltenen Gerbstoffe und Flavonoide nicht zu unterschätzende gesundheitliche Vorteile.

Wusstest du, dass die jungen Haselnussblätter blutreinigend wirken? Du kannst die Blätter roh essen oder gekocht verwenden. Im Web gibt es einige gute Rezepte, die du ausprobieren kannst.

Ein Tee aus den frischen oder getrockneten Blättern kann bei Erkältung und sogar bei Durchfall wirksam sein.

Auch die so genannten Kätzchen eignen sich für einen Teeaufguss.
Wenn du sie trocknest und vermahlst, hast du sogar im Winter einen Vorrat.

Buche

„Buchen sollst du suchen“ – so sollte ich mich laut meiner Großmutter bei Gewitter im Freien verhalten. Doch das ist leider – wie inzwischen nachgewiesen wurde – eine Fehlannahme.
Wenn es allerdings um die Gesundheit geht, sind Buchen öußerst nützlich.

Schon ab April kannst du junge Triebe und frische Blätter pflücken. Sie schmecken direkt vom Baum, aber auch als Beigabe zu Salaten.

Frische Buchenblätter sollen als Wundauflage zur Linderung von Geschwüren sehr hilfreich sein.

Buchenrinde als Tee oder Tinktur kann bei Erkältung und Fieber besonders wirksam sein.

Bucheckern – die Samen der Buche – enthalten Blausäure, deshalb rate ich vom Verzehr ab. Sie müssten vorab behandelt werden.

Linde

Schon ab April kannst du die ersten Lindenblätter entdecken. Sie sind sehr zart und schmecken angenehm süßlich. Mir persönlich schmecken sie roh am besten – kleingeschnitten auf einem frischen Butterbrot oder in einem gemischten Salat.

Die besondere Heilwirkung liegt allerdings in den Lindenblüten. Sie helfen dank ihrer Inhaltsstoffe als Tee zur Linderung von Erkältungssymptomen, aber auch bei Nervosität und Schlafproblemen.

Weide

Die Weide – und besonders die Weidenrinde ist schon seit der Antike als schmerzstillendes und fiebersenkendes Naturmittel bekannt. Wie du Weidenrinde zu einem Tee oder zu einer Tinktur verarbeiten und für deine Gesundheit nutzen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Fazit

Bäume als Nahrung und Medizin? Tatsächlich wissen nur wenige Menschen davon. Viele Baumblätter und natürlich auch die Nadeln sind etwas robust in ihrer Konsistenz und ein wenig gewöhnungsbedürftig im Geschmack.

Dennoch: Auf die Größe gesehen sind Baumblätter eine fantastische Nährstoff- und Heilquelle.

Hier findest du nur eine Auswahl an essbaren Bäumen. Sie alle aufzulisten, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen zur Nutzung von Bäumen geben und dich dazu inspirieren, das eine oder andere im Sinne deiner Gesundheit auszuprobieren.

Bleib oder werde gesund und pass gut auf dich auf!

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