Weidenrinde als Naturtalent gegen Schmerzen

Schon vor über 2400 Jahren wusste der legendäre Arzt Hippokrates von den heilenden Kräften der Weidenrinde und empfahl einen aus der Rinde gekochten Saft für die unterschiedlichsten Beschwerden. Im Laufe der Zeit fanden Forscher heraus, dass der Inhaltsstoff Salicin für die schmerzlindernde Wirkung verantwortlich ist. Damit wurde der Grundstein für eines der bekanntesten Schmerzmittel gelegt. Heute ist dieser Stoff Bestandteil vieler industriell hergestellter Medikamente gegen Schmerzen.

Die Weidenrinde ist jedoch nicht nur ein schmerzlinderndes Wunder der Natur. Entdecke hier, wie du Weidenrinde als Naturmedizin nutzen kannst und welche überraschenden Eigenschaften sie hat!

Warum kann Weidenrinde eine natürliche Alternative sein?

Die Entscheidung für Weidenrinde als natürliche Behandlungsoption kann aus verschiedenen Gründen eine kluge Wahl sein:

  • Das enthaltene Salicin hat ähnliche schmerzlindernde Eigenschaften wie Aspirin und ist deshalb eine Option für Menschen, die herkömmliche Schmerzmedikamente weniger gut vertragen.
  • Ihre entzündungshemmenden Eigenschaften machen Weidenrinde zu einer natürlichen Behandlungsmöglichkeit bei Arthritis. Auch bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Menstruationsbeschwerden kann sie dank des enthaltenen Salicins hilfreich sein.
  • Als Ergänzung zu herkömmlichen medizinischen Behandlungen kann Weidenrinde verwendet werden, um die Wirkung zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Insgesamt bietet Weidenrinde eine natürliche, potenziell weniger schädliche und vielseitige Option für die Behandlung verschiedener Arten von Schmerzen und Entzündungen.



Welche Weidenarten eignen sich?

Verschiedene Weidenarten sind bekannt für ihre heilenden Eigenschaften, insbesondere wegen ihres Gehalts an Salicin. Hier sind einige der am häufigsten verwendeten Weidenarten:

Die Silberweide

Eine der wohl bekanntesten unter den mehr als 300 Weidenarten ist die Silberweide (Salix alba). Sie wird aufgrund ihres hohen Salicingehalts häufig für medizinische Zwecke verwendet.

Die Sal-Weide

Mit ihren charakteristischen Weidenkätzchen enthält auch die Sal-Weide den Wirkstoff Salicin, welcher zu medizinischen Zwecken genutzt wird. In Bayern und in Österreich kennt man sie als Palmkätzchen, weil sie nach alter Tradition am Palmsonntag zu Sträußen (Palmbuschen) gebunden werden.

Salweide Weidenrinde Kaetzchen

Daneben eignet sich auch die Rinde von Korbweide (Salix viminalis), Purpurweide (Salix purpurea), Asch-Weide (Salix cinerea) oder Bruch-Weide (Salix fragilis).

Wie wirkt Weidenrinde?

Wenn Weidenrinde konsumiert wird, wird Salicin durch den Verdauungstrakt aufgenommen. In der Leber und im Darm wird dieses Salicin zu Salicylsäure umgewandelt.

Salicylsäure wirkt schmerzlindernd, indem sie die Produktion bestimmter Enzyme (Cyclooxygenasen) hemmt, die an der Produktion so genannter Prostaglandine beteiligt sind. Bei Prostaglandinen handelt es sich um Substanzen, die Schmerzsignale im Körper verstärken und Entzündungen fördern.

Durch die Fähigkeit der Weidenrinde, diese Prostaglandine zu hemmen, wird Weidenrinde zu einem natürlichen Entzündungsblocker, der bei Arthritis oder Muskelschmerzen hilfreich sein kann.

Weil Salicylsäure auf das Wärmezentrum im Gehirn einwirkt, kann sie zudem auch zur Senkung des Fiebers beitragen.



Weidenrinde selbst sammeln

Geschnittene und getrocknete Rinde kann man fertig (zum Beispiel als Tee) kaufen.
Wer gern in der Natur unterwegs ist und seine Heilkräuter am liebsten selber sammelt, schneidet im Frühjahr (bis etwa Ende März) 2 bis 3-jährige Äste ab und schält sie.

Es ist nicht schwer, die Rinde von den Ästen zu lösen, solange die Äste frisch sind.
Da die Rinde erst kurz vor der Zubereitung zerkleinert werden sollte, ist es wichtig, dass man die abgeschälten Teile der Rinde im Ganzen belässt. Sie sollten mindestens zwei Tage auf einem Tuch an der Luft (keinesfalls in der prallen Sonne!) trocknen, bevor man die Stücke in ein verschließbares Gefäß gibt. Die Rindenstücke müssen komplett trocken sein, bevor man sie verpackt.

Weidenrinde Tee

Ein Hoch auf den Tee

Die schnellste und einfachste Art, Körper und Seele etwas Gutes zu tun, ist ein Tee. Gerade bei Erkältungskrankheiten mit allerlei Symptomen kann ein Weidenrindentee eine kleine Wunderwaffe sein. Als Kompresse angewendet, hilft er dir bei Verletzungen der Haut und Hautirritationen.

Um einen Tee herzustellen, schneidest du einfach die benötigte Menge Rinde klein, überbrühst sie mit heißem Wasser und lässt den Tee 10 Minuten ziehen. Man rechnet einen gehäuften Esslöffel auf 250ml Wasser.

Einen Absud herstellen und nutzen

Zu einer wirksamen äußeren Anwendung kannst du einen Absud herstellen, denn neben dem Salicin können Flavonide und Gerbstoffe ihre Wirkung am besten in einem Absud entfalten.

Einen Absud stellst du her, indem du in einem Topf einen gehäuften Esslöffel getrockneter Rindenstücke mit 200-250ml kalten Wasser übergießt und langsam zum Kochen bringst.
Die Mischung sollte 15-20 Minuten leise vor sich hin köcheln, bevor du sie abseihen kannst.

Ein Absud eignet sich besonders gut zum Gurgeln bei Halsschmerzen oder Entzündungen im Mund.

Klein geschnittene Weidenrinde in Marmeladenglas aufgegossen mit Alkohol. Daneben Weidenäste.

Eine Heiltinktur aus Weidenrinde selber machen

Die heilenden Kräfte der Rinde können in Alkohol gelöst und auf diese Art konserviert werden.

Für die Herstellung einer Tinktur solltest du frische Weidenrinde verwenden.
Ein größeres Marmeladenglas füllst du bis zu 3/4 mit klein geschnittener Rinde und gießt das Glas mit mindestens 40%igem Alkohol (zum Beispiel Wodka) komplett auf.
Das Glas verschließen und lichtgeschützt bei Zimmertemperatur etwa 3 Wochen stehen lassen.
Einmal täglich gut durchschütteln!

Danach kannst du die Mischung durch ein Tuch filtern, in dunkle Fläschchen abfüllen und beschriften.
Nach ca. 18 Monaten lässt die Wirkung der Inhaltsstoffe nach, deshalb solltest du die Fläschchen mit einem Datum versehen. Wenn du in jedem Frühjahr mit den frischen Zweigen eine neue Tinktur ansetzt, hast du immer einen Vorrat im Haus.

Neben der Anwendung bei Erkältungskrankheiten und Fieber kann die Tinktur auch bei Durchfall nützlich sein.

Gib bei Bedarf 3x täglich bis zu 20 Tropfen in ein Glas Wasser und nimm es nach dem Essen ein.
Für Kinder ist die Tinktur wegen des Alkohols nicht geeignet.



Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

  • Beginne mit einer niedrigen Dosierung, um zu sehen, wie dein Körper auf den Tee reagiert. Die empfohlene Menge kannst du je nach individueller Verträglichkeit anpassen.
  • Weidenrindentee solltest du nicht über einen längeren Zeitraum ohne Rücksprache mit einem Arzt trinken.
  • Wenn du Medikamente einnimmst, kann deren Wirkung durch Naturheilmittel beeinträchtigt werden. Sprich deshalb vorab mit deinem Arzt.
  • Falls du empfindlich auf Aspirin reagierst, solltest du auf Weidenrindentee verzichten.
  • Die Verwendung bei Schwangerschaft, während der Stillzeit oder bei ernsthaften oder anhaltenden Beschwerden solltest du mit einem Arzt abstimmen.

Gedanken zum Schluss

Weidenrinde ist ein beeindruckendes Beispiel für eine natürliche Alternative zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Sie ist sanfter zum Magen als synthetische Schmerzmittel und besonders für Menschen geeignet, die ein natürliches Heilmittel ohne oder mit äußerst geringen Nebenwirkungen bevorzugen.

Ihre Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit machen sie zu einem wertvollen Bestandteil der pflanzlichen Heilkunde. Dennoch sollte bei ernsthaften Gesundheitsproblemen immer professioneller medizinischer Rat eingeholt werden.

Insgesamt bietet Weidenrinde eine faszinierende Verbindung zwischen alter Weisheit und moderner Wissenschaft. Ihre Popularität bis heute zeugt von ihrer Wirksamkeit und ihrem Nutzen für die Gesundheit.

Bleib oder werde gesund und pass auf dich auf!

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