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Nahrungsmittelallergien verstehen und vorbeugen

Kann man Nahrungsmittelallergien und Nussallergien vorbeugen?

Die Warnhinweise auf Lebensmittelverpackungen oder auf Speisekarten in Restaurants verraten:  Nahrungsmittelallergien und insbesondere Nussallergien sind auf dem Vormarsch. Menschen zeigen schwere Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel und müssen extrem vorsichtig sein, was sie essen – aber auch, was andere um sie herum essen. Für Nahrungsmittelallergien gibt es keine Heilungsmöglichkeit, jedoch beschäftigen sich  Wissenschaftler zunehmend mit deren Ursprung und den entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Allergien entstehen, wenn das Immunsystem beispielsweise gegen Keime und andere fremde Substanzen, die eigentlich harmlos sind,  überreagiert. Allein 6% der deutschen Bevölkerung, so die Statistik aus dem Jahr 2011,  haben eine Nahrungsmittelallergie – Tendenz steigend. Das Deutsche Grüne Kreuz für Gesundheit gibt beispielsweise die Zahl der Nahrungsmittel-Allergiker heute mit 10% an. Allergische Reaktionen können beispielsweise durch Erdnüsse, Schalenfrüchte, Fisch, Eier, Milch, Weizen und Soja ausgelöst. Auch Kinder sind oft betroffen, denn eine Allergie kann sich in jedem Alter entwickeln.

Bestimmte Stoffe können leichte, aber auch sehr schwere Reaktionen bis hin zum so genannten anaphylaktischen Schock auslösen. Die Symptome reichen von Atemnot bis hin zu Schwindel und Ohnmacht. Die Reaktionen des Körpers können nicht vorhergesagt werden und können auch in ihrer Stärke von Zeit zu Zeit schwanken.

Laut News in Health (NIH) arbeiten Forscher daran, Nahrungsmittelallergien besser zu verstehen. Wie Dr. Scott Sicherer – pädiatrischer Nahrungsmittelexperte der Sinai Icahn School of Medicine – erklärte, bezieht sich ein Großteil der Forschung auf die Erdnussallergie, weil sie teils schwere Verläufe zeigt, unheilbar ist und dadurch einen sehr negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen hat. Wissenschaftler erhoffen sich durch die Forschung in diesem Bereich zudem Anhaltspunkte für die Behandlung weiterer Allergien. In einer vor kurzem durchgeführten Studie „Learning Early About Peanut Allergy (LEAP)“ wurden 640 Säuglinge mit einem hohen Risiko zur Entwicklung einer Erdnussallergie per Zufall  in zwei Gruppen eingeteilt: in eine Erdnuss-Ess-Gruppe sowie in eine Erdnuss-Vermeidungs-Gruppe. Die Studie wurde konsequent bis zum 5. Lebensjahr der Kinder durchgeführt und brachte das erstaunliche Ergebnis, dass die Säuglinge, die frühzeitig erdnusshaltige Lebensmittel aßen, eine um 81% niedrigere Chance hatten, eine entsprechende Allergie zu entwickeln. Allerdings muss man wissen, dass sich die Forschung hier auf die vorbeugende Gabe erdnusshaltiger Lebensmittel konzentrierte – die Behandlung bereits bestehender Erdnuss-Allergien war nicht Gegenstand dieser Studie. Es gäbe auch bisher keine zuverlässigen Hinweise, so die Forscher, dass diese Strategie auch für andere Allergien angewendet werden kann. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, so das NIH, dass vorab allergische Tests mit dem Baby durchgeführt werden und dass der Zeitpunkt sowie die Menge der Gabe erdnusshaltiger Lebensmittel genau mit dem Arzt besprochen wird.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, bestehende Allergien zu behandeln, stießen die Wissenschaftler auf die so genannte „orale Immuntherapie“. In einer aktuellen Studie mit Vorschulkindern, die eine bereits eine Erdnussallergie entwickelt hatten, wurden zunächst mit der Gabe einer geringen Menge des allergieauslösenden Nahrungsmittels begonnen, die dann langsam gesteigert wurde. Im Ergebnis konnten fast 80%  der Kinder anschließend erdnusshaltige Nahrungsmittel essen. Allerdings müssen noch weitere Studien durchgeführt werden, um ein abschließendes Urteil fällen zu können. Ähnliche klinische Studien werden derzeit auch mit Milch und Eiern durchgeführt.

Die Forschung mit Lebensmittelallergien muss äußerst sorgfältig erfolgen, da die Reaktionen im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können. Da sich Wissenschaftler ihrer hohen ethischen Verantwortung bewußt sind, kann es mitunter sehr lange dauern, bis Forschungsergebnisse vorliegen.

Obwohl die Ansätze vielversprechend sind, gibt es bisher keine wissenschaftlich fundierten Therapien für Allergien. Momentan hilft nur, die allergieauslösenden Nahrungsmittel zu vermeiden, indem an die Etiketten der Nahrungsmittel genau studiert. Hände und Oberflächen sollten gewaschen werden, um versehentlichen Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden – was natürlich nicht immer gelingt. Ein Epinephrin-Autoinjektor kann unter Umständen lebensrettend sein, denn dieses Gerät liefert ein Hormon, welches den Blutdruck aufrecht erhält und die Atemwege öffnen kann.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber!

Im Original einsehbar unter: https://newsinhealth.nih.gov/issue/Mar2017/Feature1