Holunderblüten – viel mehr als nur Sirup

Etwa Ende Mai bis Anfang Juli zeigen sich die kleinen, gelblich-weißen Holunderblüten. Bis zu acht Meter hoch kann der Holunderstrauch (Sambucus nigra) werden, der es gerne sonnig mag und oft an Wegrändern von Wäldern zu finden ist.
Etwa im August entwickeln sich aus den zarten Blüten die zuerst roten und später tiefdunklen Holunderbeeren. Die lieblichen, süßlich duftenden Blüten erinnern mich an meine Kindheit. Meine Großmutter sammelte leidenschaftlich Kräuter und Blüten – einerseits für ihre Naturmedizin und andererseits, um für uns Kinder leckeren Sirup oder Marmelade zu kochen.
Holunderblüten – viel mehr als nur Sirup. Lass uns starten!

Holunderblüten ernten

Die beste Zeit, um Holunderblüten zu ernten, ist ein sonniger Vormittag. Holunderblüten sollten nie nach dem Regen geerntet werden, weil der Regen den besonders duftenden Blütenstaub abspült.

Holunderblüten werden nicht “abgepflückt”, sondern mit der Schere vorsichtig abgeschnitten. Weil sie sehr zart sind, mögen sie Plastik- oder Papiertüten gar nicht. Ein Korb ist zum Sammeln ideal.

Holunderblüten – viel mehr als nur Sirup und
besonders gesund

Schon in der Antike war die Heilwirkung des Holunders bekannt. Damals wie heute werden sowohl die Holunderblüten als auch die Beeren medizinisch genutzt. Was Oma wusste, ist inzwischen bewiesen: Holunderblüten wirken antiviral und entzündungshemmend. So beinhaltet beispielsweise das pflanzliche Heilmittel Sinupret® gegen Sinusitis (Nasennebenhölenentzündung) eine Kombination aus 5 Heilpflanzen – darunter auch Holunderblüten.

In vorklinischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Holunder durch den hohen Anteil an Flavonoiden (mehr als 3%) antioxidative, immunmodulierende und antivirale Eigenschaften hat. Das Geißblattgewächs ist zudem reich an ätherischen Ölen, Gerbstoffen sowie den Vitaminen B2 und C.

Die Anwendung von Holunder bei Influenza ist recht gut erforscht (1).
Wissenschaftliche Studien der israelischen Virologin Dr. Madeleine Mumcuoglu zeigten beispielsweise, dass ein Extrakt aus Holunderbeeren sowohl gegen Vogelgrippe als auch gegen andere Grippearten wirksam ist. Ob Holunder vor Covid-19 schützen kann, konnte bisher wegen mangelnder Forschung noch nicht nachgewiesen werden.
Weitere Forschung ist nötig, um die bisherigen positiven Ergebnisse zu bestätigen.


Weitere, durch die Volksmedizin überlieferte Heilwirkungen:

  • Kopfschmerzen
  • Ohrenschmerzen (Holunderblüten und Kamille in kleinem Säckchen erwärmen und auf die schmerzende Stelle geben)
  • Gicht
  • Rheuma
  • Angina (Gurgeln mit Holunderblütentee)
  • Zahnschmerzen
  • Stress
  • Schlafprobleme

So kannst du Holunderblüten nutzen

Bevor du dich an die Rezepte machst, solltest du die gesammelten Blüten gut ausschütteln. So wirst du die (möglicherweise) in den Blüten sitzenden kleinen Tierchen schnell los.

Holunderblütentee in Glastasse mit Holunderblüten als Dekoration

Holunderblütentee

Ein Tee aus Holunderblüten ist der Überlieferung nach ein besonders wirksames Mittel zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Linderung von Erkältungskrankheiten. Auch Erkrankungen der Atemwege, Husten und sogar Asthma soll dank Holunderblütentee gelindert werden können. Er soll auch eine ganz besondere Wirkung zur Entgiftung des Körpers haben.

Die Zubereitung ist simpel: Nach der Klosterheilkunde nimmst du 2 Teelöffel Holunderblüten und übergießt sie mit einer Tasse kochendem Wasser. Nach 5 MInuten Ziehzeit kannst du den Tee abseihen und möglichst heiß trinken. Die Prozedur kannst du mehrmals am Tag wiederholen.


Holunderblüten können auch getrocknet werden. So kannst du dir einen Vorrat für den Winter anlegen.


Holunderblütentinktur

Die Tinktur aus den Blüten wird am besten mit Tee verdünnt (Wasser tut’s auch) und soll helfen, Giftstoffe aus dem Körper zu transportieren. Zudem soll die Holunderblütentinktur ein gutes Mittel bei Erkältung, Fieber und Heuschnupfen sein. Neben der entgiftenden Wirkung wird dem Holunder nachgesagt, die Durchblutung zu verbessern, indem er die Gefäße von Ablagerungen befreit.

Sicher kennst du das Prinzip einer Tinktur: Die ausgeschüttelten Blüten werden von den Stirelen befreit und bis zur Hälfte in ein sauberes Schraubglas gegeben. Die Blüten mit Alkohol auffüllen, bis sie bedeckt sind und für drei Wochen durchziehen lassen. Hin und wieder solltest du das Glas durchschütteln. Danach abseihen, in braune Tropffläschchen füllen und beschriften.


Die Einnahme von 30 Tropfen pro Tag sollte nicht überschritten werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Holunderblütensalbe

Eine Salbe aus Holunderblüten ist ein altes Heilmittel und soll besonders gut bei kleinen Wunden oder bei Mückenstichen helfen. Ich habe auf der Webseite “Mit Liebe gemacht” ein tolles Rezept mit Videoanleitung für eine Salbe aus Holunderblüten gefunden. Sehr sehenswert!

Gut zu wissen

Die Rinde, die Blätter, die Samen und auch die rohen Früchte – reif oder unreif – sind giftig und sollten nicht genutzt werden (1 Seite 83).

Mögliche Nebenwirkungen

Sei besonders vorsichtig mit der Einnahme von Holunder und sprich vorab unbedingt mit deinem Arzt oder Heilpraktiker, falls du beispielsweise

  • Herz-Kreislauf-Probleme hast
  • Blutdruckmittel einnimmst
  • eine Chemotherapie machst
  • an Diabetes leidest
  • mit Magen-Darm-Problemen oder Durchfallerkrankungen zu kämpfen hast
  • unter Migräne leidest
  • Muskelschmerzen hast

Holunder ist nichts für dich, wenn du

  • eine Überempfindlichkeit/ eine Allergie gegen die Pflanzenfamilie der Geißblattgewächse hast
  • schwanger bist oder stillst
  • andere Medikamente einnimmst
  • Vorerkrankungen hast

Für den guten Geschmack

Holunderblütensirup mit Blüten, Blättern und Zitrone als Dekoration

Holunderblütensirup

Dieser erfrischende und vielseitige Sirup ist ganz einfach herzustellen. Zugegeben, so wirklich gesund ist er durch die hohe Zuckermenge nicht. Aber lecker!

Du nimmst einfach pro Liter Wasser 1kg Zucker und 25g Zitronensäure und kochst das zusammen auf. In ein größeres Glas gibst du etwa 25 Holunderblüten. Ich gebe auf die Menge gern noch je 3 Scheiben einer Bio-Orange und einer Bio-Zitrone mit in das Glas. Gieße die Blüten mit dem Zuckerwasser auf und lasse die Mischung etwa 3 Tage bei Zimmertemperatur durchziehen. Nach der Zeit gibst du die Mischung durch ein Sieb. Bevor du den Sirup in saubere Flaschen abfüllst, solltest du ihn nochmals aufkochen. Heiß in die vorbereiteten Flaschen füllen.

Holunderblütensirup schmeckt nicht nur im Sprudel, sondern auch im Sekt. Ein herrlich erfrischendes Sommergetränk!

Holunderblütengelee

Mein Lieblingsezept für ein leckeres Holunderblütengelee findest du auf ichkoche.at . Das solltest du unbedingt ausprobieren.

Bleib oder werde gesund und pass gut auf dich auf!

Haftungsausschluss

Quellen:

(1) Catherine Ulbricht et al. I An Evidence-Based Systematic Review of Elderberry and Elderflower (Sambucus nigra) by the Natural Standard Research Collaboration I Zugriff am 31.05.2021
(2) Melanie Wenzel I Meine besten Heilpflanzen – Rezepte I Gräfe und Unzer I 3. Auflage 2013 I S. 179
(3) Bankhofer-Kurth I So hilft und heilt die Natur I M & N Verlag München 1982 I S. 251
(4) Dr. Johannes Gottfried Mayer, Prof. Dr. med. Bernhard Uehleke & Pfarrer Kilian Saum I Das große Buch der Klosterheilkunde I Verlag Zabert Sandmann GmbH München 2013 I S. 236

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